Finanzen

Was Geld mit einer geistlichen Lebenshaltung zu tun hat

»Letztlich dreht es sich dann doch ums Geld«, so könnte man meinen, denn hier soll es nun um die Finanzen gehen. Keine Angst, es werden nun keine komplizierten Statistiken oder Bilanzen erläutert, sondern vielmehr geht es darum, woher dieses Geld kommt. Schließlich erheben wir als Freikirche keine Kirchensteuer.

Diese Aussage hat einmal vor vielen Jahren einen Bekannten aus meinem Heimatort dazu bewogen, zu überlegen, ob er dann nicht lieber zur FeG wechseln sollte. Denn die Lohnsteuerkarte im Hinterkopf, wähnte er, so noch ein paar Mark (die damals noch offizielle Währung) sparen zu können. Doch auch wir leben ja nicht nur von Luft und Liebe, sondern bei uns müssen ebenfalls Strom, Wasser, Heizung, … und nicht zuletzt der Pastor bezahlt werden.

Dies geschieht durch freiwillige Spenden von Mitgliedern und Freunden der Gemeinde. Doch wenn man einmal die Anzahl derer mit der Summe der Kosten in Relation setzt, wird man feststellen, dass wohl der durchschnittliche Betrag höher liegt, als das, was dem Einzelnen vom Finanzamt automatisch abgezogen würde. Und das lässt manchen noch mehr erstaunen, denn wie kann es sein, dass man freiwillig mehr gibt? Gerade weil sich unsere individualistische und vor allem auch materiell geprägte Gesellschaft vorwiegend über das definiert, was sie besitzt. Wieso freiwillig etwas davon abgeben, ohne eine direkte Gegenleistung zu erhalten?

Der tiefere Sinn erschließt sich dem, der sich mit der geistlichen Lebenshaltung dahinter beschäftigt. Letztlich ist es nämlich eine Glaubensfrage: Glaube ich, dass Gott es wirklich gut mit mir meint? Vertraue ich ihm, dass er mich versorgt, wenn ich nicht alles für mich behalte, sondern auch „in seine Arbeit investiere“? Glaube ich, dass er mir alles gegeben hat – auch meine Begabungen, meine Gesundheit, eine Arbeitsstelle etc., die es mir überhaupt erst möglich machen, Geld zu verdienen?

So hält uns doch nicht die eigene Anstrengung und Mühe am Leben, sondern Gottes gütige Fürsorge. Es braucht nur einen kleinen Unfall oder sonstige Krisenzeiten, die uns zeigen, wie absolut abhängig wir von seiner Gnade sind. Auch wenn es eben um das „tägliche Brot“ geht. – Was ist denn wirklich sicher? Wer, wenn nicht Gott, kann uns das bewahren, was er uns geschenkt hat?

Und hat die Frage der Finanzen nicht zuletzt auch mit meiner Entscheidung zu tun, Christ zu sein, und Gott zu gehören? Peter Strauch schreibt dazu in seinem Buch Typisch FeG:  »Wenn ein Mensch Christ wird, nimmt er nicht nur die Vergebung seiner Schuld für sich in Anspruch, er überträgt auch die Regie seines Lebens an Jesus. […] In diesem Zusammenhang müssen wir uns bewusst machen, dass auch Geld Bestandteil dieser Lebensübergabe ist. Paulus schreibt den Christen in Rom, dass sie nun einem anderen gehören, […] und das gilt auch für ihr Geld.« Doch Gott vertraut uns das Geld und den Umgang damit an. Also wie handhabe ich die Mittel, die mir zur Verfügung stehen?

Für mich persönlich ist es ein Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber Gott, ihm auch einen Teil dessen, was er mir geschenkt hat, wieder zur Verfügung zu stellen. Vor allem auch, damit noch viele Menschen ebenfalls die Möglichkeit bekommen, davon zu hören, was mein Leben so entscheidend verändert hat. Denn es geht zuletzt ja nicht darum, oben erwähnten Strom und Heizung an sich zu bezahlen, sondern was damit erreicht und gefördert wird: Ich denke z.B. an die vielfältige Kinder- und Jugendarbeit in unserer Gemeinde und möchte hier stellvertretend das OLA und das Hoerstival nennen. Was da alles auf die Beine gestellt wird … Aber auch das sonstige Gemeindeleben. Und hier möchte ich nicht nur die großen Feste, wie z.B. unsere Jubiläumsfeier nennen, sondern die vielfältigen alltäglichen Begegnungen, in denen man  Gemeinschaft, Unterstützung, überhaupt Angenommensein erlebt. Und bei all dem kommen Menschen natürlich mit der Botschaft der Liebe Gottes in Berührung!

Weiterhin ist es auch ein gutes Mittel, um Gott zu ehren! Bald feiern wir wieder Weihnachten. Und schon die Weisen kamen damals nicht zur Krippe nach Bethlehem, um sich etwas zu holen, sondern um »Ihn anzubeten« und ihm ihre Gaben zu bringen. Wenn ich freiwillig auf etwas verzichte, dann drückt dies die Wertschätzung demgegenüber aus, für den ich es investiere.  Es drückt die Herzenshaltung des Gebers aus und beruht damit natürlich auf Freiwilligkeit.

Doch Gott lässt dies nicht so stehen. An vielen Stellen der Bibel wird klar, dass wir es sind, die dadurch gesegnet werden. Schon im Alten Testament heißt es in Maleachi 3,10: Bringt den zehnten Teil eurer Erträge unverkürzt zu meinem Tempel, damit meine Priester nicht Hunger leiden. Habt keine Sorge, dass ihr dann selber in Not kommt! Stellt mich auf die Probe«, sagt der Herr, der Herrscher der Welt, »macht den Versuch, ob ich dann nicht die Fenster des Himmels öffne und euch mit Segen überschütte! Traue ich mich, diesen „Versuch“ zu wagen?

Es wird zusätzlich meine Einstellung deutlich, also wie ich mit dem mir Anvertrauten umgehe. Habe ich Besitz (Geld und Güter), oder hänge ich so sehr daran, dass die Dinge mich besitzen, also meine Einstellung prägen, mich regelrecht gefangen nehmen?

Und noch eine Sache wird bei dieser Stelle angesprochen. Der sogenannte „Zehnte“. Im Alten Testament war es eine gesetzliche Richtlinie, die so im Neuen Testament jedoch nicht bestätigt, allerdings auch nicht komplett verworfen wird. Für viele Christen ist es eine Richtlinie in der Überlegung „was zu geben angemessen ist“. Jedoch ist dies aber nur die halbe Wahrheit, denn was mache ich denn mit den übrigen 90 %, die mir zur Verfügung stehen?

Freunde von mir haben z.B. einmal komplett auf ihren Sommerurlaub verzichtet, weil es in ihrer Gemeinde eine finanzielle Notlage gab. Das sollte natürlich nicht die Regel sein, doch was deutlich wird, ist, dass außergewöhnliche Situationen eben manchmal auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern. Selten kann ein großes Projekt gestemmt werden, (z.B. größere Anschaffung, Bau, …) wenn die Gemeinde, also die Menschen nicht dahinter stehen und auch einmal „mehr geben“ und zu Opfern bereit sind.

Wie geht es Ihnen mit dieser Aussage? Können Sie da mitgehen, oder macht sich Widerstand breit? Damit sind wir wieder bei der geistlichen Lebenshaltung angelangt. Und vielleicht wird auch in diesem Zusammenhang noch verständlicher, was Jesus meint, wenn er sagt:  »Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes neue Welt kommt!« Kein Wunder dass die Jünger daraufhin erschrocken fragten: »Wer kann dann überhaupt gerettet werden?« Denn sie merkten wohl, dass jeder mehr oder weniger am Materiellen hängt, und es schwer ist, wirklich ganz zu vertrauen. Gut, dass Jesu Antwort dann lautete: »Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Für ihn ist alles möglich!« Markus 10,25-27

Trotzdem fordert Jesus uns in der Bergpredigt auf: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen oder zu trinken habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die Kleidung! Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen. Matthäus 6,25.33

Noch eine letzte Frage: Wie läuft das Ganze denn praktisch ab? In der Regel haben wohl die meisten Unterstützer einen Dauerauftrag für die Gemeinde eingerichtet. Das hilft natürlich dem Kassierer, der die Finanzen im Blick hat und so besser kalkulieren kann. Aber auch dem Geber für die eigene Planung und Kontoübersicht, wenn z.B. dieser Betrag bereits am Monatsanfang abgebucht wird.

Doch sammeln wir auch Sonntags eine Kollekte ein. Dies gehört selbstverständlich zum Gottesdienst dazu, denn es ist eine weitere Möglichkeit, wie der Name, schon sagt, Gott zu dienen, ihn zu loben und ein Ausdruck von Dankbarkeit. Darum finden sich dort wohl manchmal auch größere Scheine wieder.

Übrigens ist es für uns als Gemeinde selbstverständlich, auch einen Teil von dem, was wir zur Verfügung haben, wieder weiterzugeben, aus all den genannten Gründen. So „funktioniert“ das Reich Gottes und nicht zuletzt unsere Gemeinde vor Ort, weil Gott es ist, der Menschen bereit macht, sich für ihn zu engagieren, und das bei weitem nicht nur finanziell.

Zum Schluss möchte ich Ihnen den Rat von Paulus im 2. Korintherbrief  9,6-8 ans Herz legen: »Ich bin davon überzeugt: Wer wenig sät, der wird auch wenig ernten; wer aber viel sät, der wird auch viel ernten. So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt. Er wird euch dafür alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das. So werdet ihr nicht nur selbst genug haben, sondern auch noch anderen von eurem Überfluss weitergeben können.«

Darum, werden Sie Teil der Investoren im Reich Gottes! In der Gemeinde in der Sie verwurzelt und zu Hause sind. Und bleiben sie fröhlich dabei. Gott segne Sie dafür!

Joachim Lang

 

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